Wir sind Weltbürger*innen

Eine kleine Geschichte

„Wie ist es ein Weltbürger zu sein?“ wurde Garry Davis gefragt. Und so lautete seine Antwort:*

„Ich lebe in der Welt ohne mich von Grenzen begrenzen zu lassen.

Ich bin da verwurzelt, wo ich lebe und nenne die Erde mein Zuhause.

Ich nenne niemanden meinen Feind, denn jeder Mensch ist Teil der einen Menschheitsfamilie.

Ich habe meine eigenen Ansichten und bleibe gleichzeitig neugierig interessiert an die der Anderen.

Ich habe verstanden, dass die Menschen zur Erde gehören, nicht die Erde den Menschen gehört.

Ich liebe die Schöpfung ohne Unterschied da Himmel und Erde für alle gleich sind.“

* Garry Davis erklärte sich 1948 als der erste Weltbürger. Diese fiktiven Antworten sind seiner Gesinnung nachempfunden.

Vom Moment unserer Geburt an sind wir Mensch und Bewohner*in des Planeten Erde – wir sind von Anfang an Weltbürgerinnen und Weltbürger.

In den ersten Lebensjahren spielt diese Tatsache kaum eine Rolle. Als Kleinkind, Teenager und junge Erwachsene sind andere Identifikationen wichtig. Die Herkunft, die Kultur, vielleicht eine religiöse Gemeinschaft und die Nationalität.

All diese Identifikationen schenken uns ein Gefühl von Zugehörigkeit und dadurch Sicherheit, Orientierung und Gemeinschaft. Sie sind wichtig, um uns in der Welt zu verorten.

Heute haben Einflussbereich und Radius menschlichen Handelns aber längst die nationalen Grenzen überschritten. Die Herausforderungen, denen wir begegnen – in Wirtschaft, Politik, Sicherheit, Ökologie – sind globaler Natur. Dafür genügt ein nationales Bewusstsein nicht mehr.

Um diesen Herausforderungen wirksam zu begegnen, können wir eine zusätzliche Identifikation annehmen, die des Weltbürgers und der Weltbürgerin.

Dieses Bewusstsein hebt die bisherigen Identifikationen nicht auf, es ergänzt sie. Es erlaubt uns, lokale Zugehörigkeit und globale Verantwortung zu verbinden. Es öffnet den Blick für das Ganze, für die planetare Gemeinschaft, ohne die Einzigartigkeit des Einzelnen zu schmälern.

Als Weltbürger*innen können wir gleichzeitig lokal verwurzelt und global verbunden sein. Wir sind Menschen – und wir sind Weltbürger*innen.