Menschenrechte und Menschenpflichten

Eine Geschichte zum Thema

Ein alter, weiser Mann lebte an einem reißenden Fluss, der zwei Dörfer trennte. Die Menschen auf beiden Seiten waren verfeindet, jeder kümmerte sich nur um sich selbst und sein eigenes Recht.

Eines Tages kam ein Kind aus dem einen Dorf zum alten Mann und fragte: „Warum bauen wir keine Brücke? Dann müssten wir nicht immer den weiten, gefährlichen Weg außen herum nehmen.“

Der alte Mann lächelte traurig und sagte: „Sie haben zwar das Recht zu bauen, aber sie fühlen keine Pflicht dazu. Sie warten darauf, dass der andere anfängt.“

Das Kind nahm daraufhin einen schweren Stein und trug ihn an das Ufer. Die Leute lachten: „Was willst du Kleines schon ausrichten?“ Doch das Kind antwortete: „Es ist meine Pflicht, den ersten Schritt zu machen, damit wir alle sicher den Fluss überqueren können.“

Als die Dorfbewohner sahen, wie das Kind sich abmühte, schämten sie sich. Einer nach dem anderen begann, Steine zu bringen. Nach wenigen Tagen war die Brücke fertig. Sie verband nicht nur die Ufer, sondern auch die Herzen der Menschen.

Die Charta der Menschenrechte ist heute zweifellos die wichtigste internationale Vereinbarung, die den Schutz des Einzelnen sicherstellt, insbesondere von Schwächeren und Armen in Machtgefällen. Die UPO geht einen Schritt weiter. Sie bietet jedem Menschen einen Kontext, in dem er oder sie sich als mündiger Weltbürger und mündige Weltbürgerin erfahren kann.

Mündigkeit bedeutet Verantwortung übernehmen und Verpflichtungen eingehen. In diesem Sinne könnten die Satzungen der UPO ergänzend zu den Menschenrechten eine Sammlung von Selbstverpflichtungen enthalten, die eine Kultur der Verantwortung, Solidarität und des gegenseitigen Respekts fördern.

Es existieren bereits globale Leitlinien, wie die Erdcharta, das Globale Weltethos oder eine Charta der Menschenpflichten. Die UPO kann diese Ansätze aufnehmen, beraten, ergänzen, anpassen und den Bürger*innen zur Abstimmung vorlegen, sodass sie zu selbstbestimmten Leitlinien der Menschheit werden können.

Mit einer UPO kann sich die Menschheit eine innere Ausrichtung geben. Sie kann ethische Werte definieren, die den wechselseitigen Umgang prägen sollen. Sie kann Regeln aufstellen und Maßstäbe setzen, nach denen alles Wirken und Handeln auf globaler Ebene dem Wohl aller dienen und die Einheit der Menschheit fördern soll. Auf dieser Grundlage kann sie von globalen Akteuren, Nationalstaaten, internationalen Konzernen und Organisationen Rechenschaft einfordern und verantwortliches Handeln verlangen.