Stationen

Gemeinschaftliches Leben

Fünfundzwanzig Jahre lang haben wir in solidarischen Gemeinschaften mit Menschen aus schwierigen Lebenssituationen zusammengelebt. Als wir unsere erste Gemeinschaft in Basel gründeten, waren wir 21 und 25 Jahre jung. Das Gemeinschaftsleben wurde unsere wichtigste Ausbildung. Es hat uns existenziell mit der Basis menschlichen Lebens verbunden und gelehrt, dass Leben immer gemeinsames Leben ist.

Aktion und Kontemplation

Aktion und Kontemplation sind essenzielle Elemente unseres Weges. Aktion verstehen wir als Engagement und Entscheidung für die Welt, während Kontemplation ihren Ausdruck in einer Praxis der Stille und des Selbstgewahrseins findet. Früh merkten wir, dass das Engagement für Mensch und Welt, selbst wenn es Gutes bewirken will, sich leicht in Aktivismus erschöpfen kann. Darum haben wir bis heute Stille in unseren Alltag eingebaut – Stille als Raum, in dem Pläne und Absichten zur Ruhe kommen und sich neu an dem ausrichten, was aus sich selbst heraus entstehen will. Uns ist klar: Eine UPO kann man nicht einfach machen. Wenn die Zeit reif ist, wird eine Bewegung – ein kosmischer Schauder – durch die Menschheit gehen, und die UPO – oder eine ähnliche Organisation – wird entstehen.

Gassenküche

Armut ist nicht einfach Schicksal, sondern Folge einer Verkettung von Ereignissen und Umständen. Das wurde uns bewusst, als wir 1989 die Gassenküche in Basel gründeten. Die tägliche Begegnung mit Menschen, die obdachlos, alkoholkrank oder drogensüchtig sind, hat uns für ihre Lebensrealität sensibilisiert. Wenn man einen Menschen kennenlernt und von seinem Lebensweg hört, wird offensichtlich, dass jedes Schicksal eine vielschichtige Geschichte hat und in einem systemischen Zusammenhang steht. Will man also eine einzelne Situation verstehen, muss man die Verflechtung des ganzen Systems betrachten, sowohl individuell als auch kollektiv – lokal wie global.

Parlament der Weltreligionen 1999

1999 reisten wir nach Kapstadt zum Parlament der Weltreligionen. Wir waren 7.000 Teilnehmende aus der ganzen Welt und aus allen Religionen. Eine Woche lang gab es Workshops, Panels und Diskussionen. Wie können Religionen durch interreligiösen Dialog und Kooperation zur Lösung globaler Probleme beitragen, war die zentrale Frage.
Ein Workshop hat uns besonders geprägt: Wir sassen im Kreis mit 40 Personen. Der Workshopleiter fragte: «Was verbindet uns?» Spontan kamen Äusserungen, die das Trennende betonten. Wieder die Frage: «Was verbindet uns?» So begann eine zweistündige Übung in Kleingruppen. Danach stellte der Leiter im Plenum die gleiche Frage erneut. Nun schauten sich die 40 Personen an und begannen, das Verbindende zu benennen: «Wir alle sind Menschen», «Wir alle lieben unsere Kinder», «Wir alle wollen in Frieden leben» usw. Die Atmosphäre veränderte sich spürbar zu einem freundlichen Miteinander. Fazit: Um globale Probleme konstruktiv zu lösen, müssen wir auf dem aufbauen, was uns verbindet.

11. September 2001 in New York

Es sollte sein, dass wir am 11. September 2001, beim Angriff auf die Twin Towers, in New York waren. Ein solches Ereignis am Ort des Geschehens zu erleben, geht unter die Haut und direkt ins Herz. In den Strassen herrschten tiefes Entsetzen, totales Unverständnis – ein kollektives Trauma. Die folgenden Tage verbrachten wir mit vielen New Yorker*innen im Central Park und verfolgten betroffen die Reaktionen auf das Ereignis.
Im Gespräch mit einer Frau stellte sie die Frage: «Was haben wir ihnen angetan, dass sie uns so sehr hassen?» Eine gute Frage, ein bedenkenswerter Ansatz, der jedoch rasch von vielen anderen Stimmen verdrängt wurde. Im Fernseher verkündete Präsident Bush totale Rache. Das versprach nichts Gutes. Eine ausgleichende Stimme der Besonnenheit fehlte. Unter diesen Eindrücken schrieben wir das Konzept für einen Weltrat weiser Personen, der amtierende Politiker*innen nach ethischen Grundsätzen beraten und korrigierend wirken könnte. Wir verfolgten die Idee nicht weiter, weil es damals keine Möglichkeit gab, diesen Rat weltweit demokratisch zu wählen. Heute besteht diese Möglichkeit.

Weltsozialforum 2003 in Porto Alegre

2003 nahmen wir am 3. Weltsozialforum in Porto Alegre in Brasilien teil. 100.000 Menschen und über 5.700 zivilgesellschaftliche Organisationen waren vertreten. Eine Absicht verbindet uns: Wie können wir verhindern, dass die USA entgegen dem Völkerrecht im Irak einmarschiert? Das Treffen war eine eindrückliche Begegnung mit der grossartigen Vielfalt, dem lebendigen Enthusiasmus und dem kreativen Potenzial der zivilen Weltbevölkerung. Die Absicht konnte nicht verwirklicht werden. Doch das Motto dieses Treffens «Eine andere Welt ist möglich» klingt bis heute in uns nach.

Frieden kann man studieren

In 1996 haben wir die Friedensuniversität in Costa Rica besucht. Auf dem Campus wurden wir vom damaligen Dekan Robert Muller empfangen, der zuvor 40 Jahre als Vize-Generalsekretär der Vereinten Nationen tätig gewesen war. In ihm begegneten wir einem wahren Weltgeist, einem Menschen mit tiefer Liebe für die Welt als Ganzes. Damals sammelte er Träume – 2.000 Visionen für eine bessere Welt – zur Begrüssung des neuen Jahrtausends. Er fragte uns: «Was ist euer Traum?» Unsere spontane Antwort: «Eine Friedensuniversität in der Schweiz.» Beim Abschied ermutigte er uns: «Go and do it!» Das haben wir getan. Utopische Visionen und mutige Träume sind der Same einer neuen Wirklichkeit.

European Peace University 2006

In einer wahrhaft internationalen Gemeinschaft von Studierenden und Dozierenden haben wir 2006 an der European Peace University in Österreich im Rahmen eines Masterprogramms über Frieden und Konfliktlösung geforscht, geübt, nachgedacht und diskutiert. Wir vertieften uns in das Thema, analysierten bestehende politische Strukturen und loteten Lösungsmöglichkeiten und ihre Grenzen aus. Die Schlussfolgerung war klar und eindeutig. Damit eine nachhaltig gerechtere und friedlichere Welt entstehen kann, braucht es eine neue globale und demokratische Ordnungsstruktur.

World Peace Academy 2010

Viele sagten: «Das ist unmöglich.» Wir haben es trotzdem versucht. Mit der Unterstützung von Prof. Dietrich Fischer, der fachlichen Beratung von Dr. Johan Galtung und in Zusammenarbeit mit der Universität Basel wurde es möglich. 2010 haben wir in Basel die World Peace Academy eröffnet. Studierende und ReferentInnen aus der ganzen Welt wurden eingeladen, sich im Rahmen eines Master of Advanced Studies in Frieden und Konflikttransformation zu vertiefen. Damit das vermeintlich Unmögliche möglich wird, braucht es einen unbeirrbaren Glauben, Entschlossenheit und das Zusammenwirken vieler Menschen.

Catherine arbeitet als Psychologin in eigener Praxis. 

Pierre bietet Seelsorge in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel an und begleitet Menschen auf ihrem inneren Weg.

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